Glück im Unglück?
Finden wir unser Glück auch im Unglück? Bedeutet Unglück gleichzeitig ein neuer Anfang? Liegt es immer an uns selbst unser Glück zu bestimmen? Unser Glück oder Unglück können wir oft im Leben nicht selbst formen, dafür ist der Zufall zu groß, was wir bestimmen können, ist die Art und Weise wie wir damit umgehen! In Zeiten der Spaßgesellschaft ist es schon ein Delikt, Unglück auszusprechen. Sind wir schon so weit, dass wir keine authentischen Gefühle zeigen können und auf die Frage How do you do?, immer wieder die Lüge antworten: Yes I´m fine. Sicherlich ist das auch eine Kulturfrage.
Wenn wir uns bei diesem Diskurs nur auf die europäische Kultur beziehen, sieht es ähnlich aus. Wir lügen auch, wenn es darum geht, unsere wahren Gefühle wider zu geben. Aber wo kommen wir denn hin, wenn wir niemanden mehr haben, dem wir uns wirklich anvertrauen können? Sicherlich sollte niemand im absoluten Selbstmitleid zerfließen. Aber ist es richtig, immer ein Lächeln auf dem Gesicht zu haben, obwohl es nicht unserer wahren Gefühlslage entspricht? Ich zitiere an dieser Stelle Erich Fromm, einen bekannten Philosoph und Psychoanalytiker, der einmal sagte: “Die meisten Menschen geben vor, auch für sich selbst, dass sie glücklich sind. Denn wer unglücklich ist, gilt in unserer heutigen Gesellschaft als Misserfolg. Als muss jeder die Maske des Glücklichseins und Zufriedenheitssein tragen, sonst ist er kein normaler Mensch, kein tüchtiger Mensch.”
Zeigt es nicht mehr Größe, wenn wir zu unseren wahren Situation stehen und das Unglück zulasseb? Zeugt es nicht von hoher Reflexionsfähigkeit, wenn wir erkennen, dass es gerade nicht so gut läuft? Ausgeschlossen ist natürlich, dass man nicht die Fähigkeit verliert, Gedanken an eine positive Zukunft zu pflegen! Aber um wahres Glück zu erfahren, müssen wir auch Erfahrungen mit dem Unglück gesammelt haben. Denn nur wer auch die tragischen Augenblicke des Lebens kennt, kann die wirklich glücklichen Momente im Leben genießen!
Spaß ist nicht gleich Spaß und ein Lächeln ist nicht gleich ein Lächeln. Brennen für etwas ist nicht gleich Brennen für etwas. Spielen wir uns dann heutzutage nur noch Freude vor, damit wir nicht als Ausgeschiedener der Gesellschaft gelten? Vielen ist es zuwider, über dieses Thema zu reden, es ist ein Tabu. Niemand will mehr Misserfolge oder andere unglückliche Situationen zugeben. Das ist das Ergebnis der Statusgesellschaft. Ich finde es traurig.. denn alles was uns im Leben passiert, hat einen tieferen Sinn. Wer behauptet es gibt keinen Sinn, der ist für mich ein Idiot. Wenn es keinen Sinn geben würde, dann wären wir vielleicht nicht fähig, unseren Gedanken folge zu tragen.
Unglücklichsein zu können, bedeutet Glück. Wer die wahre Größe hat, diese Tatsache offen zu zugeben, ist auf dem Weg erwachsen zu werden.
