Grenzgänge-Irrwege-stirbt der Idealist aus?
Mehrmals habe ich mir schon die Frage gestellt, warum manche Menschen sich so sehr wünschen, eine feste Heimat zu haben und warum andere Menschen unentwegt das Weite suchen, um die Welt kennenlernen zu wollen oder wieder andere Menschen Aussiedler werden, weil Sie sich sträuben, in einer Konsumgesellschaft zu leben.
Meiner Ansicht nach flüchten Aussiedler auch nur vor dem, was in unserer Welt passiert. Sie sind nicht besser als Menschen, die sich in ihrem Konsum suhlen. Was ist nun die Schlussfolgerung daraus? Ist es sinnvoll, sich gegen Strukturen in vielen Bereichen unseres Lebens zu wehren oder sollte man diese einfach nur hinnehmen? Entsteht durch Rebellion nicht etwas Neues, etwas Innovatives, vielleicht sogar etwas Besseres? Flucht ist jedenfalls keine Lösung. Mit Flucht ändert man nichts, sondern lässt die Menschen zurück, die keine Energie haben, gegen schlechte Bedingungen anzugehen.
So lautet meine Botschaft: Gestaltet eure Räume, schmiedet keine Fluchtgedanken, kämpft für die Gestaltung eures Lebens, auch wenn es manchmal hart ist. Am Ende seid ihr die Gewinner, egal gegen was ihr kämpft oder gegen wen. Ihr würdet es bereuen, wenn ihr aufgibt und euch verbiegen lässt! Wenn man dann doch als Verlierer aus dem Diskurs geht, ist man trotzdem Sieger, weil man an Charakterstärke dazu gewonnen hat und die Kraft aufbringt, wieder ein Neuanfang zu wagen.
Auf jeden Fall ist es ein Grenzgang, gegen machtvolle Strukturen anzukämpfen, weil man selbst nicht die gleiche Macht hat, etwas zu ändern. Am Ende sind Grenzgänger meistens Einzelgänger, die von niemanden abhängig sein wollen. Sie sind selbständig. Gerade die 80 er und 90 er Generation lässt sich nur schwer etwas vormachen. Wir sind anders aufgewachsen als die DDR- Generation. Wir sind einfach besser für die neuen Gegebenheiten der Zukunft gewappnet: neue Technologien, moderne Alltagsrthythmen, Mobilität und Flexibilität, längere Single-Zeiten, ständige Anpassung an Innovationen und ständige Angst, seine Existenz zu verlieren.
Das heißt nicht, dass wir nicht bereit sind, etwas von diesem Wissen abzugeben. Trotzdem lässt sich feststellen, dass das Ich immer mehr an Bedeutung gewinnt. Werden vielleicht bald alle Einsiedler sein, die sich selbst ausgrenzen?
Werden wir intelligente Einzelgänger, die sich vom in den Medien dargestellten Perfektionismus nicht blenden lassen? Oder gehören wir zu der Gruppe, die sich von dieser Scheinwelt verformen lässt? Ist diese Verformung nicht krank?Irgendwann denken die meisten, sie wären vielleicht VIP´s ” very important persons”. So lassen sich gerade Jugendliche verblenden!
Wenn Manipulatoren ihre Methoden einsetzen, sind wir von einer kaputten, künstlichen, schier perfekten Welt nicht mehr weit entfernt! Das heißt, wir stecken eigentlich schon mitten in dieser für meine Begriffe negativen Entwicklung des Denkens! Wo bleibt denn hier bitte die Authentizität, die Natürlichkeit, das wirklich Wichtige im Leben? Jetzt stellen sich manche vielleicht die Frage, was ist wichtig? Am Ende muss das jeder selbst wissen. Wichtig für jeden Menschen, glaube ich, sind die sozialen Bindungen, lebendige Augenblicke-und Mitmenschen, Freude zu schenken.
An alle Idealisten: Behaltet euren Idealismus, auch wenn es schwer fällt. Ihr hattet am Ende ein erfüllteres Leben als Menschen, die keine Authentizität waren können.
